Dienstältester Mitarbeiter geht in den Ruhestand: „Dreckige Finger, aber viel Spaß!“

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Heidecke Team

1968 kam Toni Hochgürtel das erste Mal zu Heidecke – da fing er gerade mit der Lehre an. Das ist 51 Jahre her, der Kanzler hieß damals Kiesinger, die Studentenbewegung kam in Fahrt, erstmalig umkreiste eine Rakete den Mond und die meisten Deutschen von heute waren nicht einmal geboren. Dass er bei uns trotzdem nicht sein fünfzigstes Dienstjubiläum feierte, lag daran, dass er fußballerische Ambitionen hatte: „Fast wäre ich bei Fortuna Köln Profi geworden“, berichtet er, „als sich das zerschlagen hatte, stieg ich in einem kleinen Betrieb ein, machte Bundeswehr und kam nach ein paar Jahren zu Heidecke zurück.“ 1975 stieg er – als Geselle – wieder ein.

Am 30. April feierte Hochgürtel seinen letzten Arbeitstag und den Eintritt in den Ruhestand. Auch das macht immerhin 44 Jahre am Stück bei einem einzigen Arbeitgeber. „Das ist aber hier nicht wirklich ungewöhnlich“, erklärt er, „hier gibt es ja genug Kollegen, die auch schon seit 30 oder 35 Jahren dabei sind.“ Das liege vor allem daran, dass hier das Betriebsklima stimme: „Hier wird sich einfach vernünftig gekümmert und die Stimmung ist gut. Manche von denen, die heute kölsche Urgesteine des Unternehmens sind, kenne ich, seit sie bei Heidecke gelernt haben.“

Deswegen verspürte Hochgürtel auch nie das Bedürfnis, den Meister zu machen: „Ich habe hier eine Menge Baustellen geleitet, konnte viel lernen und war eigentlich immer zufrieden. Da braucht man nicht unbedingt ein Meister zu sein. Der Titel sagt ohnehin nichts darüber aus, was man kann.“ Sein Einsatzbereich war vor allem das Privatkundengeschäft. Hier sind lange Kundenbeziehungen die Regel, manche Stammkunden kennt er schon seit Jahrzehnten. Einen besonderen Ruf erwarb sich Hochgürtel als Fachmann im Tapezieren. „Das hat sich so ergeben“, sagt er, „weil ich mit einem Kollegen zusammengearbeitet habe, der Deutscher Meister im Tapezieren war. Den Titel hat die Firma Erfurt vergeben und in einem Jahr wurde der Zweiter, im anderen Erster. Bei solchen Profis guckt man sich natürlich eine Menge Dinge ab, denn man will ja gut sein in seinem Fach.“

Technik hilft – das Menschliche zählt

Heidecke Mitarbeiter Toni Hochgürtel

Wenn er auf die Jahrzehnte seiner Malertätigkeit zurückblickt, kommt er unweigerlich auf den technischen Fortschritt zu sprechen. „Vieles ist heute natürlich wesentlich einfacher zu machen als früher, etwa das Lackieren mit einer Spritzpistole. Vor allem aber hat sich die gesamte Arbeitsweise verändert, seit es Handys gibt. Früher, in den Achtzigern, hatten wir nur die Telefonzelle. Das heißt, wir mussten uns bei den Einsätzen vorher absprechen und uns dann nahezu blind aufeinander verlassen. Das hatte auch große Vorteile: Es gab eine richtige Kameradschaft. Gerade im Privatkundenbereich waren wir Kollegen alle füreinander da, oft auch am Wochenende!“

Aus dieser Zeit ist ihm eine Begebenheit in Erinnerung, über die er heute noch lachen muss. „Wir waren damals an einem heißen Sommertag im Einsatz in Bergisch Gladbach. Irgendwann kam der Eigentümer und sagte, wir sollen uns mal auf seine Kosten etwas zu trinken organisieren. Einer von uns, das war so ein richtig lieber Kollege, aber total schusselig, erklärte sich bereit mit dem Einsatzwagen Getränke zu holen. Erst brauchte er ewig – und dann sahen wir, wie er zu Fuß den Berg hoch kam. Er hatte in der Eile den Schlüssel stecken lassen und kam nicht mehr ins eigene Auto. Nun ja, der Arbeitstag war daraufhin mehr oder weniger beendet, denn jetzt musste ihn einer erst einmal nach Hause fahren, wo sein Zweitschlüssel lag.“

Der Malerberuf gibt das Gefühl zu wissen, was man gemacht hat

Die Verabschiedung hat Toni Hochgürtel gefreut. „Es gab einen richtigen kleinen Empfang für mich und abends haben wir noch gemeinsam Abschied gefeiert. Ich bekam sogar eine schöne Uhr geschenkt, das fand ich toll.“ Ganz zur Ruhe setzen will er sich nicht, das entspricht nicht seinem Naturell. „Ich kann mir schon vorstellen, zwischendurch mal auszuhelfen oder mit den Lehrlingen etwas zu machen.“

Ob er jungen Leuten empfehlen könne, den Malerberuf zu ergreifen? „Natürlich! Ich selbst würde immer wieder Maler werden wollen! Klar macht man sich da schon mal die Finger dreckig, aber es macht einen riesigen Spaß. Stell dir allein mal vor: Du kommst in einen Raum, der total hässlich, alt und dreckig ist – und wenn du fertig bist, dann ist er richtig schön.“ Das Gefühl abends zu wissen, was man gemacht hat, sieht er in kaum einem der neuen Berufe, die bei Jugendlichen hoch im Kurs stehen: „Da sitzt man doch nur den ganzen Tag am Schreibtisch. Wenn du Spaß an richtiger Arbeit hast, wenn du mit deinen Händen was erschaffen willst und gerne direktes Lob vom Kunden kriegst, dann ist Maler einfach der beste Beruf!“

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